Mittelmeerkrankheiten - Wissenswertes
Mittelmeerkrankheiten bei Hunden von den Azoren
Eine der häufigsten Fragen, die uns erreicht, lautet:
„Gibt es auf den Azoren Mittelmeerkrankheiten?“
Die ehrliche Antwort: Grundsätzlich möglich – aber deutlich seltener als in vielen klassischen Mittelmeerregionen. Was das für unsere Hunde und für Sie als Adoptant:in bedeutet, erklären wir hier transparent.
Was sind Mittelmeerkrankheiten überhaupt?
Als Mittelmeerkrankheiten bezeichnet man verschiedene Infektionskrankheiten, die durch Zecken, Mücken oder Sandmücken übertragen werden. Dazu zählen unter anderem:
- Leishmaniose
- Ehrlichiose
- Anaplasmose
- Babesiose
- Dirofilariose (Herzwurmerkrankung)
Der Name ist mittlerweile etwas irreführend: Durch den Klimawandel breiten sich einige dieser Erkrankungen längst auch in anderen Teilen Europas aus – der Begriff hat sich trotzdem als Sammelbezeichnung gehalten.
Wie ist die Lage auf São Miguel?
Unsere Hunde stammen überwiegend von der Insel São Miguel. Nach aktuellem Kenntnisstand treten Mittelmeerkrankheiten dort deutlich seltener auf als beispielsweise in Südspanien, Süditalien, Griechenland oder auch auf dem portugiesischen Festland.
Das hat einen nachvollziehbaren Grund: Ein zentraler Überträger der Leishmaniose, die sogenannte Sandmücke, kommt auf vielen Atlantikinseln – anders als im Mittelmeerraum – gar nicht oder nur sehr vereinzelt vor. Das schlägt sich auch in wissenschaftlichen Untersuchungen nieder: Studien zur Verbreitung von Leishmaniose und Herzwurmerkrankung (Dirofilariose) bei Hunden in Portugal fanden für die Azoren wiederholt keine oder nur sehr vereinzelte positive Fälle, während in Regionen wie dem Algarve oder auf Madeira deutlich höhere Infektionsraten festgestellt wurden.
Eine Garantie für null Risiko lässt sich daraus dennoch nicht ableiten – zum einen, weil sich Verbreitungsgebiete von Krankheitsüberträgern durch den Klimawandel grundsätzlich verschieben können, zum anderen, weil einzelne Erreger wie Ehrlichiose oder Babesiose über Zecken übertragen werden, die auch auf den Azoren vorkommen. Ausschließen lässt sich ein Erkrankungsfall also nie vollständig. Genau deshalb nehmen wir das Thema sehr ernst und legen großen Wert auf eine sorgfältige tierärztliche Betreuung all unserer Schützlinge.
Unsere Vorsorgemaßnahmen
Die Gesundheit unserer Hunde hat für uns oberste Priorität. Vor der Ausreise wird jeder Hund tierärztlich untersucht und nach aktuellen tiermedizinischen Empfehlungen versorgt. Je nach Alter und Gesundheitszustand gehören dazu:
- eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung
- eine Parasitenbehandlung gegen Flöhe, Zecken und Würmer
- Impfungen gemäß den geltenden Ausreisebestimmungen
- weiterführende Untersuchungen oder Bluttests, sofern medizinisch angezeigt
Dabei arbeiten wir eng mit unseren Tierärztinnen und Tierärzten vor Ort zusammen.
Warum ein Bluttest nicht immer hundertprozentige Sicherheit gibt
Viele Mittelmeerkrankheiten haben eine sogenannte Inkubations- oder Nachweiszeit: Zwischen einer möglichen Ansteckung und einem zuverlässigen Labornachweis können mehrere Wochen bis Monate liegen. Ein negativer Bluttest zum Zeitpunkt der Ausreise schließt eine ganz frische Infektion also nicht mit letzter Sicherheit aus.
Viele Tierärztinnen und Tierärzte empfehlen deshalb, einen Bluttest – wenn medizinisch sinnvoll – einige Monate nach der Ankunft zu wiederholen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aussagekraft in der Regel deutlich höher.
Was bedeutet das für Sie als Adoptant:in?
Wir empfehlen, jeden neu adoptierten Hund zeitnah nach der Ankunft bei Ihrer Haustierärztin oder Ihrem Haustierarzt vorzustellen. Gemeinsam können Sie dann entscheiden, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.
Zur Einordnung: Die allermeisten Hunde von São Miguel sind gesund und entwickeln nie eine Mittelmeerkrankheit. Und selbst wenn eine Infektion festgestellt wird, stehen heute gute diagnostische Verfahren sowie wirksame Behandlungs- und Therapiekonzepte zur Verfügung. Mit guter tierärztlicher Begleitung können viele betroffene Hunde ein langes, glückliches und nahezu uneingeschränktes Leben führen.
Ehrlichkeit und Transparenz sind uns wichtig
Kein seriöser Tierschutzverein kann garantieren, dass ein Hund niemals Kontakt mit einem Erreger hatte – egal ob er aus Portugal, Spanien oder mittlerweile sogar aus Teilen Mitteleuropas stammt.
Was wir Ihnen versprechen können, ist ein verantwortungsvoller und offener Umgang mit diesem Thema: Wir informieren Sie ehrlich über den Gesundheitszustand Ihres Hundes, beantworten Ihre Fragen und stehen Ihnen auch nach der Adoption weiterhin beratend zur Seite.
Denn eine Adoption endet für uns nicht mit der Ausreise – sie ist der Beginn eines gemeinsamen Weges.
